Oktober bis Dezember 2024 - [DE] Halberstädter Abschied
Mitte Oktober hatte ich bereits im Rahmen von zwei Rundfahrten den RE 6 gezielt genutzt. Bis zum Einsatzende der Halberstädter Wagen im RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 waren es nun noch sieben Wochen. Diese Zeit wollte ich noch einmal ausgiebig, neben der fotografischen Dokumentation von außen, für die Fahrt im Abteil am Übersetzfenster nutzen. Dank Deutschlandticket passierte dies teilweise relativ spontan: Einsteigen, Mitfahren. So gab es für mich in den letzten Wochen des Einsatzes einen Abschied in mehreren Akten.
27.10.2024
Ein großes Ziel war, die Strecke noch einmal komplett im eigenen Abteil im Hellen nach Leipzig und wieder zurück zu fahren. Dies war tagsüber so gut wie unmöglich gewesen. Einzig am zeitigen Sonntagmorgen bot sich in meinen Augen diese Möglichkeit. Durch die Zeitumstellung auf Winterzeit in der Nacht vorher ging die
Sonne wieder etwas eher auf, zudem war noch einmal schönes Wetter gemeldet. So machte ich mich gegen 6 Uhr mit dem Auto auf den Weg zum Chemnitzer Hbf.
IntEgro 223 152 war für den Umlauf an diesem Morgen eingeteilt und mit zwei Minuten Verspätung erfolgte 06:33 Uhr, noch in der Dämmerung, die Abfahrt des
RE 74165 in Chemnitz Hbf. Wir gewünscht hatte ich, trotz eines 4-Wagen-Zug, im Bomz520 (D-TDRO 55 80 21-33 002-9) bis Leipzig ein Abteil für mich allein.
In der Morgendämmerung verließ der Zug den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Das Licht blieb im Abteil ausgeschaltet und draußen erwachte der Tag langsam zum Leben. Es herrschte eine wunderbare herbstliche Stimmung.
Fahrt über das Göhrener Viadukt mit Blick auf das herbstliche Muldental.
Zwischen Geithain und Bad Lausick schob sich dann langsam die Sonne aus dem Horizont. Eine tolle Atomsphäre.
Am offenen Fenster in den Sonnenaufgang. Eisenbahnromantik pur.
Zugkreuzung mit dem RE 74164 nach Chemnitz Hbf in Leipzig Werkstättenstraße.
223 152 schob den Zug an diesem Morgen nach Leipzig.
Die letzten Meter, dann war der Leipzig Hauptbahnhof erreicht.
Überpünktlich 07:32 Uhr erreichte der Zug den Leipziger Hauptbahnhof. Bis zur Rückfahrt hatte ich 50 Minuten Zeit, welche ich für einen kleinen Rundgang
durch den größten Kopfbahnhof Europas nutzte. Dieser war zum Sonntagmorgen noch fast wie ausgestorben, es herrschte eine ungewohnte Ruhe.
Die fast menschenleere Osthalle.
Auch auf dem Querbahnsteig war zum Sonntagmorgen noch nicht viel los.
Ich lief in Ruhe wieder zum Bahnsteig 23, denn 08:21 Uhr wollte ich die Rückfahrt nach Chemnitz antreten.
Der RE 74166 nach Chemnitz Hbf wartete am Bahnsteig 23 auf die Abfahrt.
Durch den 4-Wagen-Zug war ein Bild mit der Anzeigetafel möglich.
Ich bezog ein Abteil im Bomz512 (D-TDRO 55 80 29-33 101-1) direkt hinter der Lok und zu meiner Freude hatte ich auch für die Rückfahrt dieses für mich allein.
Pünktlich 08:21 Uhr setzte sich der RE 74166 in Bewegung. Die Sonne schien vom Himmel und der Herbst zeigte seine ganze Farbenbracht.
Die Blätter tanzten zwischen den Wittgensdorfer Haltepunkten um den Zug.
Blick zurück auf die sogenannte Klapperbrücke (unten) und die Brücke der ehemaligen Verbindungsbahn von Küchwald nach Hilbersdorf (oben).
Mit 2 Minuten Verspätung war ich 09:27 Uhr äußerst zufrieden zurück von meinem Sonntagmorgenausflug nach Leipzig.
Besser hätte es nicht laufen können und alles Weitere sollte nur noch Zugabe werden.
Alle Reisenden waren für die Fahrt nach Leipzig eingestiegen und gleich sollte der Abfahrtspfiff und das Türenknallen ertönen.
20.11.2024
Der nächste Ausflug erfolgte 3 ½ Wochen später zum Buß- und Bettag. Während meine Familie eine Aufführung im Chemnitzer Opernhaus besuchte, nutzte
ich die Zeit für einen spontanen Ausflug. Dabei wollte ich etwas hin und her pendeln und mit den unterschiedlichen Wagengattungen unterwegs sein.
Der 4-Wagen-Zug mit zwei Steuerwagen war sehr gut besetzt und so reiste ich zur Abwechslung einmal im Bybdzf482.1 (D-TDRO 55 80 80-35 004-1). Ich fuhr
15:31 Uhr mit dem RE 74183 von Chemnitz bis Bad Lausick, wo ich 16:11 Uhr ankam. Im letzten Licht des Tages entstand das einzige Foto dieses Ausfluges.
IntEgro 223 152 mit dem RE 74183 in Bad Lausick.
Nach einem kleinen Rundgang durch Bad Lausick erfolgte 16:47 Uhr die Rückfahrt mit dem RE 74182 nach Chemnitz, um mit dieser Garnitur direkt dann noch einmal 17:31 Uhr ab Chemnitz Hbf bis Narsdorf zu fahren. Nach kurzem Aufenthalt in Narsdorf war ich pünktlich 18:25 Uhr wieder in Chemnitz, um mich am Opern- haus mit meiner Familie zu treffen. Alle Züge waren sehr gut besetzt, ich fand aber immer einen Sitzplatz und konnte im Bomz520, Bomz512 und Bybdzf482.1 reisen.
24.11.2024
Vier Tage später hatte ich dann noch einmal Lust für einen Sonntagmorgenausflug, auch in der Hoffnung noch einmal ein Abteil für mich zu haben. Bei der Ankunft am Bahnsteig im Chemnitzer Hbf war aber klar, dass daraus wohl nicht werden würde. Wie so oft in den letzten Wochen war nur ein 4-Wagen-Zug unterwegs und ich teilte mir das Abteil mit einem weiteren Reisenden. Das war nicht tragisch, denn so richtiges Wetter um die die Nase in den Fahrtwind zu hängen war eh nicht.
So starte ich 07:31 Uhr mit TDRO 223 055 und dem RE 74167 im Bomz512 (D-TDRO 55 80 29-33 101-1) in Richtung Leipzig.
TDRO 223 055 mit dem RE 74167 am Bahnsteig 6 in Chemnitz Hbf.
Es war die erste Leistung des Zuges an diesem Tag und daher bei der Abfahrt in Chemnitz noch etwas frisch im Abteil. Es wurde aber schnell mollig warm.
Nach 81 Kilometer war 08:33 Uhr pünktlich der Leipziger Hauptbahnhof erreicht. Die Zeit bis zur Rückfahrt nutzte ich für eine Fahrt mit der S-Bahn durch
den Citytunnel zum Bayerischen Bahnhof und zurück. Pünktlich 09:21 Uhr erfolgte die Rückfahrt als RE 74168 nach Chemnitz Hbf. Mein Abteil im Bomz520 (D-TDRO 55 80 21-33 008-6) teilte ich mir mit einem Ehepaar. Im Gegensatz zu mir schimpften sie mit ihrem Reisegepäck über die Wagen.
RE 74168 nach Chemnitz Hbf neben dem SVT 137 in Leipzig Hbf.
Weitere Fotos sind an diesem Tag nicht entstanden. Ich konnte in den letzten Jahren eigentlich auch alles dokumentieren.
Mit 4 Minuten Verspätung war ich 10:29 Uhr wieder zurück in Chemnitz.
05.12.2024
Mit einem Vater ließ ich eine alte Adventstradition wieder auferstehen: In den 1990er und Anfang 2000er Jahren hatten wir per Zug in der Adventszeit die Modell- bahnausstellungen des MEV Friedrich List am Leipziger Weihnachtsmarkt besucht. Da es diese Ausstellungen, wenn auch in viel kleinerem Umfang, immer noch gibt und dazu noch das teilweise fast gleiche Wagenmaterial wie damals auf der Strecke verkehrte, musste dieser Ausflug natürlich noch einmal unternommen werden.
Ich hatte mich mit meinem Vater zum RE 74181 um 14:31 Uhr im Chemnitzer Hauptbahnhof verabredet. Da die Sonne vom blauen Himmel lachte entschied ich, auf Arbeit schon eine Stunde eher zu starten und bereits 13:31 Uhr eine kleine Runde bis Narsdorf und zurück zu drehen. Der Aufenthalt in Narsdorf währte 9 Minuten.
Kopfvergleich in Narsdorf. Mit RE 74179 (links) kam ich aus Chemnitz und fuhr mit RE 74176 (rechts) dahin zurück.
Ich blieb nach der Ankunft in Chemnitz im Abteil des Bomz520 (D-TDRO 55 80 21-33 001-1) sitzen und mein Vater stieg zu.
Gemeinsam fuhren wir nach Leipzig. Der Zug war zum Nachmittag bis auf den letzten Platz belegt. Pünktlich 15:32 Uhr erreichten wir Leipzig Hbf.
Die Modellbahnausstellung im Hauptbahnhof war schneller als gedacht abgearbeitet und nach einer Runde über den Weihnachtsmarkt sind wir 18:21 Uhr
mit dem RE 74186 wieder zurück nach Chemnitz gefahren. Auch dieser Zug war, auch auf Grund eines fehlenden Wagens, sehr stark besetzt.
TDRO 223 053 schob an diesem Tag den RE 74186 nach Chemnitz Hbf.
Der Steuerwagen Bybdzf482.1 (D-TDRO 50 80 80-35 639-4) kam erst im Januar 2020 zum Fahrzeugpark und unterschied sich durch das schwarze Fensterband.
Pünktlich 19:25 Uhr waren wir wieder in Chemnitz. Die Zeit lief, in 9 Tagen sollte der Einsatz der Fahrzeuge zu Ende gehen.
11.12.2024
Eigentlich hatte ich nun schon mehrfach meine Abschiedsfahrt unternommen, aber so richtig konnte ich noch nicht loslassen. Zudem stellte ich in meiner Statistik fest, dass ein besonderer Gesamtstand möglich sei und dieser musste jetzt auch erreicht werden. Beim Abendbrot kam mir die Idee, statt auf der Couch den
Abend doch lieber im Abteil zu verbringen. Meine Kinder schüttelten nur mit dem Kopf, ich stieg ins Auto und düste schnell nach Burgstädt.
Ich wollte einfach etwas ohne großen Aufenthalt hin und her pendeln. Ich startet 20:43 Uhr mit dem RE 74193 in Richtung Leipzig. Die Leistung wurde von
zwei LINT-Triebwagen erbracht. Nach 11 Minuten Fahrt war Narsdorf erreicht und nach kurzem Aufenthalt ging es mit TDRO 223 053 im dunklen Abteil des
Bomz520 (D-TDRO 55 80 21-33 005-2) im RE 74190 nach Chemnitz. Von Chemnitz fuhr ich anschließend mit dem RE 74195 wieder nach Narsdorf, um hier
noch einmal den Zug zu wechseln. Mit IntEgro 223 152 und dem RE 74192 fuhr ich noch einmal nach Chemnitz und anschließend mit dem RE 74197, dem
letzten Zug des Tages ab Chemnitz Hbf, zurück zum Auto nach Burgstädt, wo ich pünktlich 22:42 Uhr nach zwei Stunden abendlicher Ausfahrt wieder ankam.
Ausfahrt in Chemnitz Hbf 22:31 Uhr. Links stand schon die Ablösung in Form der WFL Doppelstockwagen bereit.
12.12.2024
Da die abendliche Ausfahrt am Vortag Spaß gemacht hatte, die Züge waren am Abend nicht mehr so gefüllt und ein freies Abteil kein Problem, beschloss ich
einen Tag später, es noch einmal zu unternehmen. Zudem gab es mein Ziel zu erreichen und jetzt mussten dementsprechend Kilometer gesammelt werden.
Dieses Mal hatte ich nicht nur das Handy, sondern auch den Fotoapparat dabei, auch wenn es abends nicht viel zu fotografieren gibt. Ich startete wieder in
Burgstädt mit dem RE 74193 bis Narsdorf. Statt der LINT-Triebwagen war an diesem Abend schon eine Garnitur mit WFL-Doppelstockwagen im Einsatz.
So kam ich schon zwei Tage vor der offiziellen Betriebsübernahme zu meiner ersten Mitfahrt im DBpza751.4 (D-WFL 50 80 26-35 235-3). In Narsdorf
wechselte ich dann in den RE 74190, um durch die Dunkelheit nach Chemnitz zu fahren. Dieses Mal war ich nicht der Einzige mit diesem Ansinnen im Zug.
Einfahrt 21:25 Uhr in Chemnitz Hbf.
Es wurde sich mit dem Zug verewigt.
Der RE 74195 nach Leipzig Hbf war bereit zur Abfahrt. Die Doppelstockgarnitur war in Betrieb, die Triebwagen pausierten.
Diesen Abend reichte mir aber eine Runde und ich stieg 21:43 Uhr in Burgstädt wieder aus. Es war immer noch nicht die letzte Mitfahrt gewesen.
13.12.2024
Da die Halberstädter Wagen wahrscheinlich schon Samstagmittag aus dem Verkehr gezogen werden sollten und auch auf Grund des zu erwartenden Ansturms
von Abschiedsfahrern unternahm ich sicherheitshalber am Freitagmorgen meine allerletzte Mit- und endgültige Abschiedsfahrt. Der Wettergott meinte es gut mit
dem Chemnitzer Eisenbahnfreund. Nach dem Grau in Grau der letzten Tage schenkte er zu meinem Abschied ein großes Wolkenloch und blauen Himmel.
Um mein gestecktes Ziel zu erreichen, hatte ich in den letzten Tagen darauf hingearbeitet, dass an diesem Morgen noch genau 70 Kilometer offen waren.
Daher musste die letzte Fahrt genauso geplant werden, dass die Rechnung auch aufging. Ich startete in Burgstädt 07:43 Uhr mit dem RE 74167 in Richtung
Leipzig. Der Zug war zum Morgen gut besetzt, ich fand aber im Bomz512 (D-TDRO 55 80 29-33 102-9) einen Fensterplatz. IntEgro 223 152 zog den
5-Wagen-Zug und nach 22 Kilometern stieg ich, kurz vor dem Sonnenaufgang, in Geithain wieder aus. Jetzt waren noch 48 Kilometer offen.
IntEgro 223 152 fuhr mit dem RE 74167 weiter in Richtung Leipzig.
Ich wollte mit der RB 113 weiter nach Bad Lausick fahren. Bis zu deren Ankunft vertrat ich mir etwas die Beine. Am Horizont ging derweil die Sonne auf.
Mit Ankunft der RB 113 schob sich gerade die Morgensonne über die Güterabfertigung in Geithain.
Die beiden Triebwagen der Baureihe 641 verließen Geithain 08:34 Uhr. Ich hoffte auf keine Verzögerungen, da der Übergang in Bad Lausick sehr
knapp werden sollte. Zur Not hätte es sonst eine Stunde mehr Aufenthalt gegeben. Mit zwei Minuten Verspätung erreichte ich 08:45 Uhr Bad Lausick.
Nun hieß es die Beine in die Hand genommen und durch die Unterführung zum Bahnsteig 1. Der RE 74166 war bereits 08:42 Uhr aus Leipzig eingefahren.
Alles klappte und 08:47 Uhr setzte sich der Zug für meine allerletzte Mitfahrt im Halberstädter Wagen in Bewegung.
Der Zug war nicht voll, es gab aber kein freies Abteil. Nach der Fahrkartenkontrolle wechselte ich hinter Geithain daher kurzerhand in den 1. Klasse Bereich.
Trotz frostiger Temperatur wollte ich die letzte Fahrt am offenen Fenster auf beiden Seiten erleben.
Blick vom Göhrener Viadukt auf den namensgebenden Ort.
Zwischen den Wittgensdorfer Haltepunkten sorgte die Sonne für eine goldene Stimmung.
Die Felder und Sträucher waren mit Reif überzogen, die Temperatur unter dem Gefrierpunkt.
In Chemnitz Küchwald mogelte sich der Nachfolger auf seinem Weg nach Leipzig mit ins Bild.
Meine letzte Einfahrt am offenen Fenster in den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Ich konnte die Fahrt noch einmal bei einer wunderbaren Morgenstimmung und frostigen Temperaturen sowohl am offenen Fenster als auch im mollig
warmen Abteil genießen. Es war für mich ein wunderbarer, erstklassiger Abschluss. Ich wartete noch die Abfahrt des Zuges zurück nach Leipzig ab.
Ein letztes Mal Abfahrtspfiff und Türenknallen ...
... und dann verschwanden die Halberstädter Wagen im Mastenmeer. Dies wurde meine letztes von vielen Bildern der Züge in den vergangenen neun Jahren.
Nach den allerletzten 48 Kilometern hatte ich mein erst wenige Tage vorher gestecktes Ziel auch erreicht. In den letzten 8 Wochen war ich allein über
1.000 Kilometer mit den Wagen unterwegs gewesen und in den neun Jahren des Einsatzes habe ich insgesamt 4.444 Kilometer mit den Halberstädter
Wagen auf der Strecke zurückgelegt. Dabei konnte ich bis auf zwei Steuerwagen mit alle anderen 20 vorhandenen Wagen von TDRO reisen.
Dabei hatte ich in all den Jahren das Glück, nie von großen Verspätungen oder Zugausfällen betroffen gewesen zu sein, was leider sehr häufig auftrat.
Am Samstag den 14.12.2024 gingen die Wagen im Laufe des Tages aus dem Umlauf und wurden durch angemietete Doppelstockwagen der WFL ersetzt.
Ich war dankbar, noch einmal 9 Jahre lang die Möglichkeit gehabt zu haben, am offenen Fenster und im Abteil vor meiner Haustür Zug fahren zu können.