11.05. - 12.05.2025 - [DE] Mit dem Schweden nach Norden - Teil 1
Im Jahr 2025 trägt Chemnitz, neben Nova Gorica/Gorizia in Slowenien/Italien, den Titel Kulturhauptstadt Europa. Dies hat an ausgewählten Terminen zur Folge,
dass etwas Abwechslung in den sonst vom regionalen Verkehr geprägten und vom Fernverkehr weitestgehend abgeschnittenen Bahnknoten einzieht.
Anfang April 2025 wurde bekannt, dass im Rahmen von drei Veranstaltungen in der Kulturhauptstadt der seit 2012 zwischen Stockholm/Malmö und Berlin verkehrende Nachtzug von Snälltåget (dt. der Schnellzug), welcher seit August 2024 regelmäßig meist freitags bis Dresden verlängert wird, jeweils an einem Wochenende im Mai, August und September über Dresden hinaus bis nach Chemnitz verkehren sollte. Die Ankunft in der Kulturhauptstadt erfolgt dabei im
Mai und August an einem Freitag im September an einem Samstag. Die Rückfahrt nach Schweden findet dann wieder über Dresden am Sonntag statt.
Schnell war mir klar, dass ich diese Chance nutzen musste, mit einem planmäßigen internationalen Schnellzug von meiner Heimatstadt abzufahren. Der Zug bietet sowohl Sitzplätze im Großraumwagen, als auch Liegeplätze, entweder im gemischten oder im Privatabteil. Gereizt hätte mich die direkte Fahrt von Sachsen nach Schweden schon, aber durch die Nacht im Großraumwagen fällt aus, soweit geht die Liebe dann nicht. Auch ein gemischtes Liegewagenabteil ist nicht mein Fall. Bliebe nur das private Abteil. Dies war mir aber einen Preis von 320 € für eine, für mich meist schlaflose Nacht, nicht Wert. Ich fand aber für mich eine gute Variante.
Neu ist eine direkte Verbindung von Chemnitz nach Skandinavien aber nicht. Bereits im Fahrplan 1994 gab es mit dem D 305 „Neptun“ eine tägliche Tageszug Kurswagenverbindung von Kopenhagen nach Chemnitz und in den Sommermonaten des Jahres als D 1106 auch von Chemnitz zurück nach Kopenhagen.
Dabei war der Laufweg ein komplett anderer als der des Snälltåget und die drei Kurswagen wurden zwischen Warnemünde und Gedser trajektiert.
09.05.2025
Der Zug erreichte das erste Mal Chemnitz am Mittag des zweiten Maifreitag. Die Ankunft eines internationalen Schnellzuges in der sonst vom großen Eisenbahnver- kehr abgehängten Stadt musste natürlich dokumentiert werden. Eine passende Stelle mit Licht und etwas „Mastenfreiheit“ fand ich, mit Anderen, beim AW Chemnitz.
ELL 6193 965 erreichte mit dem 10 Minuten verspäteten D 301 aus Malmö Central den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Ich schaute anschließend im Chemnitzer Hauptbahnhof vorbei. Hier hatte man dem Zug einen Empfang, wahrscheinlich mit großen Erwartungen, bereitet.
Die lokale Presse titelte: Mehr Schweden-Fans als Schweden. Insgesamt sollen 15 Personen, nicht alle von Schweden, mit dem Zug nach Chemnitz gekommen sein.
Da der Zug erst einmal am Bahnsteig stehen blieb, konnte ich mir ihn schon einmal von Innen anschauen und freute mich auf meine Mitfahrt zwei Tage später.
Der internationale Schnellzug in der Chemnitzer Bahnhofshalle.
11.05.2025
Ich wollte den Zug zusammen mit meinem Vater bis Berlin nutzen, wo er kurz vor dem Sonnenuntergang ankommen sollte. Die Fahrkarten von Chemnitz
bis Schweden im Sitzwagen waren allgemein sehr günstig, günstiger als von Berlin im gleichen Zug. Bis Berlin gab es den absoluten Schnäppchenpreis.
So zahlten wir für einen Erwachsenen und einen Senior zusammen 201 SEK (18,56 €). Die Fahrkarten gab es zu diesem Preis bis zum Tag der Abfahrt.
Der Zug war gebildet aus vier Liegewagen der Gattung Bvcmz248.5, wovon Snälltåget 2019 insgesamt 10 ehemalige DB-Nachtzug-Wagen gekauft hatte und zwei Sitzwagen der Gattung Bmpz, welche 2017 bei Atelierele Grivica in Rumänien aus ehemaligen Bundesbahn Bm235 zu Großraumwagen umgebaut wurden.
Die ersten drei Wagen 213 bis 215 (1x Bmpz, 2x Bvcmz248.5) fuhren bis Malmö. Die anderen drei Wagen 216 bis 218 (1x Bmpz, 2x Bvcmz248.5) gingen in Malmö
auf den Zug 3940 nach Stockholm über. Der Zug blieb aus Angst vor Vandalismus von Freitag bis Sonntag in der Chemnitzer Bahnhofshalle abgestellt.
Am Sonntagmittag war der Zug noch zwischen den Bahnsteigen 10 und 11 abgestellt.
Ich traf mit meinem Vater bereits 30 Minuten vor Abfahrt am Hauptbahnhof ein. Neben dem Snälltåget gibt es noch eine weitere Besonderheit im Kulturhaupt- stadtjahr festzuhalten. Von Mai bis Anfang Oktober 2025 verkehrt an Wochenenden der IC 2471/2470 als Direktzugpaar von Berlin nach Chemnitz. Da dieser
kurz vor dem D 300 abfuhr und am Nachbarbahnsteig stand gab es die Möglichkeit, zwei planmäßige Fernverkehrszüge in Chemnitz auf ein Foto zu bekommen.
Ein seltener Anblick: Zwei planmäßige Fernverkehrszüge in Chemnitz Hbf. D 300 nach Malmö Central und IC 2470 nach Berlin Gesundbrunnen.
Anschließend war es Zeit, sich in unserem Zug gemütlich zu machen. Mit der Buchung der Fahrkarte erhält man eine Platzreservierung. Es ist nicht möglich, bestimmte Plätze auszuwählen, sondern man bekommt diese willkürlich, teilweise im Gang obwohl genügend Fensterplätze verfügbar sind, zugeteilt.
Wir hatten unsere Sitzplätze im Wagen 213, dem Großraumsitzwagen nach Malmö, zugewiesen bekommen. Da dieser aber über Festverglasung verfügte,
suchten wir den benachbarten Liegewagen (Bvcmz248.5, S-SNALL 61 74 50-91 018-8) auf. Hier fanden wir ein Abteil, welches sich noch komplett in
Tagesstellung befand und bezogen dieses. Die Zugbegleiterin sah dies total entspannt, wir sollten das Abteil nur ordentlich wieder verlassen.
Zum Glück gab es einen zusätzlichen Halt in Berlin Hbf, sonst wäre es für uns schwierig geworden. Angeschrieben sind alle deutschen Halte des Zuges.
Pünktlich 17:25 Uhr erfolgte die Abfahrt des Zuges. Am Bahnsteig verabschiedeten fünfmal so viel Personen den Zug, wie dieser Reisende hatte.
Fahrt frei. Das Abschiedskomitee am Chemnitzer Hauptbahnhof.
Felix Seraphin lichtete den Zug neben 155 138 am AW Chemnitz ab. Im zweiten Wagen schaute der Beitragsautor aus dem Fenster. Vielen Dank für das Bild.
Unser Abteil im Bvcmz248.5 (S-SNALL 61 74 50-91 018). Die Mülleimer sind zu USB-Ladebuchsen umgebaut und lassen sich nicht mehr öffnen.
Die Auslastung des Zuges war ab Chemnitz sehr mager, wir hatten den Wagen 214 für uns allein. Neben uns waren noch acht weitere Reisende im Zug.
Fünf ältere Personen im ersten Großraumwagen 213, zwei junge Männer im Liegewagen 215, die bis Kopenhagen mitfuhren und eine junge Frau im
letzten Liegewagen 218, welche die komplette Strecke bis Stockholm zurücklegte. Die Wagen 216 und 217 waren komplett leer.
Ein Blick in den leeren Großraumwagen 216 (Bmpz, S-SNALL 61 81 22-90 055-7).
Der Zug passierte das nächste Chemnitz Bahnwahrzeichen: Das Befehlsstellwerk B3 in Chemnitz-Hilbersdorf.
Für die Mitfahrt stand das Licht perfekt und in Flöha ging der Zug das Erste mal ganz ohne störende Fahrleitungsmasten aufs Bild.
Der Lokführer grüßte jeden Fotografen, den er an der Strecke entdecken konnte, lautstark. Dies und das wunderbare Licht sowie die angenehmen Temperaturen machten die Mitfahrt über die kurvenreiche Strecke nach Dresden zu einem tollen Erlebnis, welche ich durchweg am offenen Fenster verbrachte.
In Freiberg verschwand die Sonne leider hinter einer Wolke. Der Zug hielt hier nicht und fuhr durch.
Durchfahrt durch Muldenhütten...
…und Tharandt. Ich wechselte immer mal wieder zwischen den Wagen hin und her.
Der Zug fuhr den Dresdener Hauptbahnhof nicht an, sondern nahm von Dresden-Altstadt die Verbindungskurve in Richtung Dresden-Neustadt.
Die kurze Strecke wird planmäßig nicht von Reisezügen befahren.
Fahrt durch die Verbindungskurve nach Dresden-Neustadt. Unter dem vorderen Wagen kreuzt das Streckengleis zum Hauptbahnhof.
Fahrt über die Elbe mit Blick auf die Dresdener Altstadt.
Der Neustädter Bahnhof in Dresden kam in Sicht.
Mit 4 Minuten Verspätung wurde der erste Zwischenhalt in Dresden-Neustadt erreicht. Hier stiegen 15 weitere Reisende zu. In unserem Wagen war nun auch ein weiteres Abteil belegt. Anschließend fuhr der Zug ohne planmäßigen Halt bis Berlin Hbf durch. Er legte nun auf der größtenteils geraden Strecke ordentlich
an Tempo zu, bretterte durch Elsterwerda und Doberlug-Kirchhain und ich empfand die geplante Fahrzeit von Dresden nach Berlin mehr als großzügig.
Nicht ganz perfekt getroffen der Kreuzungsbahnhof Doberlug-Kirchhain. Am nächsten Tag sollten wir eine Etage tiefer vorbei kommen.
In Pramsdorf gab es eine Bahnübergangsstörung und so ging es im Schritttempo über den Übergang.
Wenn der Zug in Berlin beginnt, fährt er von der Abstellung über die Stadtbahn zum Hauptbahnhof. Kommt er aus Dresden, geht es meist durch den Tiefbahnhof.
So war es auch bei uns der Fall und wir bogen am Glasower Damm links auf den Außenring ab. Am Abzweig Genshagener Heide kamen wir genau über der
Anhalter Bahn zum Stehen, um den entgegenkommenden NJ 457 passieren zu lassen.
Warten am Abzweig Genshagener Heide Ghb mit Blick auf die Anhalter Bahn und das ehemalige Stellwerk B2.
Anschließend ging es über die Verbindungskurve auf die Anhalter Bahn in Richtung Berlin Südkreuz.
Ich hätte mich über eine abendliche Fahrt am offenen Fenster über die Stadtbahn gefreut. Aber am offenen Fenster durch den Tiergartentunnel hatte auch etwas.
Viel zu früh, genau 25 Minuten vor Plan, kamen wir 20:13 Uhr nach 273 Kilometern im Tiefgeschoss des Berliner Hauptbahnhofes an. Der Zug sollte
Berlin planmäßig 20:44 Uhr wieder verlassen, fuhr aber erst 21:13 Uhr, eine Stunde nach der Ankunft weiter. Trotzdem erreichte er 47 Minuten vor Plan
den nächsten Halt in Hamburg Hbf. Der Fahrplan war zwischen Dresden, Berlin und Hamburg wirklich reichlich bemessen.
Wir hatten die Fahrt mehr als genossen. Knapp 3 Stunden am Übersetzfenster von Chemnitz nach Berlin bei wunderbarem Wetter in einem schönen Zug.
Schon auf den ersten Kilometern nach Dresden war für mich klar, dass ich definitiv noch einmal mitfahren werde.
Ein letzter Blick auf ELL 6193 965 mit dem D 300 nach Malmö Central im Berliner Hauptbahnhof.
Einmal in der Hauptstadt wollten wir die Nacht in Berlin verbringen, um am nächsten Tag auch nicht den direkten Weg wieder nach Hause anzutreten.
Wir wechselten zur S-Bahn und fuhren zum Alexanderplatz für etwas Abendprogramm. Von der Dachterrasse des Park Inn Hotel (Eintritt 6 €/Person) hat
man einen wunderbaren Ausblick über Berlin und durch die frühere Ankunft des Zuges konnten wir sogar noch den Sonnenuntergang über Berlin genießen.
Von der Dachterrasse des Park Inn Hotel bot sich in 120 m Höhe ein toller 180 Grad Blick über Berlin.
Die Sonne verabschiedete sich für den heutigen Tag.
Anschließend suchten wir uns unterhalb des Fernsehturm ein Restaurant und fuhren danach gestärkt mit der S-Bahn zum Ostbahnhof. Direkt gegenüber dem Bahnhof konnte ich sehr preisgünstig trotz kurzfristiger Buchung Zimmer in einem modernen Hotel reservieren. Die Nacht auf Montag war sehr preiswert in Berlin.
Allzu alt wurde ich nicht mehr, denn am nächsten Tag wollten wir früh starten. Der über 650 Kilometer lange Heimweg nach Chemnitz stand auf dem Programm.